NOTATION "A"
NOTATION "A"

Entstehung

Foto Foto: Peter Smola / pixelio.de

Anfang der 90er Jahre begann ich mich mit den physikalischen Grundlagen der Musik zu beschäftigen. Ich komponierte damals viel und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Schon bald faszinierte mich die Obertonreihe und zwar ganz besonders, weil sie ein Naturgesetz war, das unabhängig vom Menschen existierte. Bei jedem Ton bildet sich diese Reihe und in immer gleicher Weise und dennoch sind die Ausformungen so mannigfaltig, dass keine zwei Töne gleich klingen.

 

Schon bald irritierte mich, dass man dieses, der ganzen Musik zugrunde liegende Naturgesetz nicht in reiner Form auf dem Klavier wiedergeben konnte. Sollte unser Tonsystem so beschränkt sein, dass es schon an den Grundlagen der Musik scheiterte?

 

Ich half mir damit, unser Spinett nach den ersten 16 Obertönen zu stimmen. Als ich mich dann hinsetzte um zu spielen, stand ich erst einige Stunden später wieder auf, so fasziniert war ich von den neuen, nie gehörten Klangwelten. Schon bald folgte die nächste Enttäuschung, als ich versuchte in dieser Stimmung ein Stück zu komponieren. Um es einigermaßen schriftlich zu fixieren brauchte ich Zusatzzeichen, und davon nicht wenige. Die vorhandenen Notationen befriedigten mich nicht, weil man mit ihnen stets schnell an die Grenze schieß. Oder die Notation sagte nicht genügend über den Charakter der Töne aus. Ich ahnte, dass hinter der Obertonreihe ein viel größeres Potential steckte, als ich zunächst dachte. Außerdem merkte ich bald, dass es mit der herkömmlichen Notation nicht möglich war, dieses Potential auszuschöpfen, - selbst mit unübersichtlich vielen Zusatzzeichen nicht.

 

So reifte in mir der Entschluss, eine neue Notation zu entwickeln. Ich begann damit, mir für jeden Oberton ein eigenes Zeichen auszudenken. Ich hatte schließlich 100 verschiedene Zeichen und stieß immer noch sofort an die Grenzen. Schon an einfachen Bach-Stücken scheiterte die Notation. Und ich konnte mir kaum vorstellen, dass irgend jemand bereit wäre, diese Notation zu lernen. Ich stand vor der scheinbar unlösbaren Aufgabe, unendlich viele verschiedene Töne in einer einfachen, übersichtlichen und leicht erlernbaren Notation unterzubringen. Denn nur so hätte diese Notation überhaupt eine Chance.

 

Je weiter ich mich in die Obertonreihe eingearbeitete, um so mehr Zusammenhänge wurden mir klar. Und je klarer mir die Zusammenhänge wurden, um so einfacher wurde die Notation. Inzwischen baut sie sich auf wenige Grundzeichen auf. Dazu kommen eine Handvoll Regeln. Daraus werden nicht nur die Töne der Obertonreihe, sondern auch die der Obertonreihenumkehrung (Untertonreihe), der „Wurzeltöne“, wie auch die Zeichen für die rhythmische Umsetzung abgeleitet.

 

Das Ganze kann dann mit der normalen Notation kombiniert werden, mit neuen Liniensystemen oder ganz ohne Linien, - wie man es benötigt.

 

Vor allem aber rücken außereuropäische Musikrichtungen in greifbare Nähe. Man konnte ja bislang als europäisch geschulter Musiker nicht daran denken, mit einem Inder zusammen indische Musik zu machen. Außerdem wird die Notation so flexibel, dass sie den jeweils gegebenen Anforderungen problemlos angepasst werden kann, ohne dass die Orientierung verloren geht. Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings, genau über die physikalischen Grundlagen der Musik Bescheid zu wissen.

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